Sonntag, 27. april 2008
Tina und ich habens angepackt. Eigentlich meine erste regulaere Woche im Kinderdorf.
Monika, die Gruenderin des Kinderdorfes, hat uns einige Aufgaben gestellt, die als easy erscheinen, sich aber letztendlich als aeusserst tricky herausstellen… Auch logisch, es sind schliesslich zwei Barrieren zu ueberwinden, die Sprache und die Kultur Kambodschas.

Nun aber erst mal einige Worte zu dem Projekt, um nicht ganz den Ueberblick zu verlieren!
Hauptinitiatorin ist Monika Proksch, gleichzeitig ist sie Vorsitzende von Zukunft fuer Kinder der Welt e.V. (http://www.kinder-der-welt.org), ein kleiner Verein der verstaerkt in Kambodscha und Burma taetig ist.
In Kambodscha gruendete sie 2004 das Kinderdorf (CDV=Children Development Village), welches mittlerweile auf sechs Haeuser angewachsen ist. In jedem Haus leben um die sieben Kinder und eine Hausmutter. Zwei Angestellte kuemmern sich um das anliegende Gemuesefeld, eine Koechin um das leibliche Wohl der Kinder und zwei Koordinatoren, Mr. On und Puen, um den Ablauf.
Die meisten Kinder kommen aus Familien, die nicht mehr fuer den Unterhalt aufkommen konnten oder wollten. Hier finden sie ein neues zu Hause, werden medizinisch versorgt und koennen in die Schule gehen. Neben Englischunterricht, bekommen sie woechentlich Tanz- und Musikunterricht.
Im Januar wurde mit Hilfe von Zukunft fuer Kinder der Welt in der Naehe des Dorfes eine Secundary School errichtet, in naher Zukunft soll auch eine Naehschule und eine Art Mechanikerschule entstehen, um Jugendlichen die nicht auf die High School wollen oder koennen, eine Berufsausbildung zu ermoeglichen. Die Textilbranche ist Kambodschas groesste Exporteinnahmequelle, Mechaniker braucht man schon allein wegen der vielen Motorbikes. Tina und ich hatten allein in der letzten Woche fuenf Platten und eine Bremsscheibenerneuerung…
Aus organisatorischen Gruenden uebergab Monika (lebt in Diessen am Ammersee) das Kinderdorf 2006 an LHA (Life and Hope Association). LHA (http://www.watdamnak.org) wurde von einigen Moenchen von Wat Damnak gegruendet und hat mehrere volltaetige Projekte ins Leben gerufen. In Kambodscha sind Tina und ich quasi Monikas ausfuehrenden Haende. Wie man sich vorstellen kann, ist es schwierig so ein Projekt ganz aus den Haenden zu geben…
Eine Aufgabe ist es zum Beispiel LHA davon zu ueberzeugen, dass die Kinder statt weissen Reis braunen Reis (um einiges gesuender, da die braune Schale wichtige Naehrstoffe enthaehlt) zu essen bekommen. Man kann genauso gut versuchen einen ueberzeugten Fleischesser zum Vegetarier zu machen… 
Nach Meinung von LHA ist brauner Reis ungeniessbar, Khmer bekaemen davon Durchfall und aussderdem bekommen eigentlich die Schweine braunen Reis ins Futter… Naja so ganz stimmt das nicht. Dank einer aufgeklaerten Kambodschanerin wisssen wir das jetzt. Die Schweine bekommen lediglich die braune Schale vom Reis, Durchfall ist wohl auch uebertrieben, es schmeckt halt nicht wie der gewohnte weisse Reis und ist ein bisschen haerter… Die Kambodschaner sind halt auch alte Gewohnheitstiere!
Nach zweistuendigem Gespraech haben wir es immerhin geschafft, es auf eine Probessen ankommen zu lassen. Bin ja mal gespannt!

Erstmalig in der Volontaerlaufbahn bei LHA haben wir am Mittwoch eine Entlausungsaktion durchgefuehrt. Alle Klamotten, Kuscheltiere, Kissen,..., in schwarze Saecke und ab in die Sonne. Dann im Akord Waschaktion bei den 42 Kids mit teuren Anti-Laeuse-Shampoo... Anschliessend Striegelaktion, bei der min. 156 tote Laeuse im Wasserbad ladeten. Tina hatte auch zehn – ich keine einzige :-) . Noch nicht...

Ich weiss jetzt schon, dass meine Zeit hier zu kurz sein wird, um mehr voranzubringen als ein paar Laeuse zu killen deren Nachfahren mir ins spaetestens zwei Wochen wieder ins Gesicht springen werden.
Es ist eine Arbeit in kleinen Schritten. Da Tina aber bis Ende August bleiben wird, bleibt zu hoffen, dass einige gut gemeinte Westlerideen hier auch angehen und gedeihen.

Ich erlebe hier wirklich viel. Weiss vieles gar nicht in Worte zu fassen. Die Geschichte Kambodschas beruehrt, ebenso wie die Schicksale mit denen ich konfrontiert werde. Allen Geschichtsfreaks kann ich nur waermsten ans Herz legen sich Kambodscha zu Gemuete zu fuehren. An alle Traveller: CAMBODIA!!
von Valie
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Dienstag, 15. april 2008

Choul Chhnam ist das Khmer-Neujahrsfest, das den Beginn der buddhistischen Religion feiert und drei Tage lang dauert (13. – 15.4.)… Tina und ich wollten die freie Zeit nutzen um ein bisschen mehr von Kambodscha zu sehen und sind am Samstag mit dem Bus  nach Phnom Penh (Hauptstadt) gefahren.

Khmer-Neujahr ist sowas wie Weihnachten, Ostern, Geburtstag und Sylvester zusammen. Ueberall werden grell leuchtende Lichterketten und Fahnen angebracht (vor allem an die eh schon knalligen Haustempel…), ausserdem werden Tische aufgestellt auf denen die Khmer den Goettern Lebensmittel, Kosmetika, Blumen und haufenweise Raecherstaebchen opfern. In diesen drei Tagen feiern die Kambodschaner alle zusammen ihren Geburtstag, also durfen auch Luftballons nicht fehlen... Angemerkt sei hier (das wird jetzt den Muettern gefallen J ): Fuer jedes Kind, das eine Frau zur Welt bringt (sind im Durchschnitt fuenf!) altert sie nochmal um ein Jahr...


Im Gegensatz zu Bangkok ist Phnom Penh ein Ruhepool. Bis jetzt beherrschen noch die Mopeds den Verkehr und die schlaengeln sich gemaechlich durch die Strassen. Vor Pol Pot galt Phnom Penh als Perle Asiens. An manchen Ecken ist auch noch was davon haengen geblieben...
Tinas Fuss war wieder fit, also sind wir viel rumgeschlendert. Ansonsten haben haben wir uns von den schrecklich netten  Cyclo-Fahrern kutschieren lassen. Im Gegensatz zu den nervenenden Tuk -Tuk Fahrern “Lady Tuk-Tuk”,  warten die geduldig auf Kundschaft und haben bescheidene Preise… Als altmodisches Gefaehrt  sind diese Invaliden vom Austerben bedroht!!! Das darf nicht sein.! Ich ueberlege einen Verein zur Rettung der Cyclo Fahrern zu gruenden…


Heute gings wieder zurueck nach Siem Reap, morgen dann wieder ins Kinderdorf. Nach dem fussbedingeten Ausfall von Tina und den Feiertagen, freu mich mich auf einen geregelten Ablauf bzgl. der Arbeit im Kinderdorf. Vielleicht gelingt es mir diese Woche mir endlich alle 42 Namen merken zu koennen!

von Valie
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Mittwoch, 9. april 2008
Sonntag dann die Hoczeit von Buth Chanvirak und Khim Len. Der wichtigste Tag eines Kambodschaners in seinem Leben! Davon hattten die beiden aber eher wenig. Zum einen herrschte extremer Begleidungstress, stuendlich wurde das Outfit gewechselt, zwischendurch hauptsaechlcih Gaeste begruesst oder verabschiedet... Fuer das leibliche Wohl war gesorgt, wir mussten ein 8 Gaenge Menue bestreiten.  Auch Tanz- und Karaokeeinlagen durften nicht fehlen. So richtig ausgelasssen wurde es aber nicht. Um neun waren wir wieder im Guesthouse.
Tinas Fuss hatte sich in der Zwischenzeit verdoppelt, sodass wir dann noch ins Krankenhaus gefahren sind. Gute Entscheidung! Mit angehender Sepsis ist ja nicht zu spassen... Nach zwei Tagen stationaeren Aufendhalt geht es ihr mittlerweile wieder ganz gut. Das Krankenhaus war spitze und kann durchaus mit dem westlichen Standart mithalten (es ist aber auch fuer die Touristen gedacht, Kambodschaner koennten es sich  gar nicht leisten!).
von Valie
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Dienstag, 8. april 2008

Letzten Samstag bin ich mit Andrea und ihrer Schwester Martina auf dem Motorbike zum Tonle Sap - Becken gefahren. Tonle Sap, einst ein Meeresarm, ist der groesste Binnensee in Ganz Suedostasien. In der Regenzeit dehnt er sich um das siebenfache aus. Aufgrund des sich staendig veraenderten Wassserspiegels leben die Fischer mit ihren Familien auf Hausbooten und in schwimmenden Doerfern. In den Booten (oft nicht groesser als 10 qm) befindet sich alles was man zum Leben braucht. Wie sie sich in Bewegung halten. ist mir noch ein Raetsel! Es gibt zwar einen schwimmenden Sportplatz, aber der ist auch eher fuer die Kinder gedacht...

von Valie
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Dienstag, 8. april 2008
Von Montag bis Dienstag bin ich mit immer Tina im Kinderdorf. Freitags faehrt sie dann mit einer Koordinatorin von LHA zu verschiedenen Outdoor-Familien die finanziell unterstuetzt werden, waehrend ich im Office von LHA aushelfe. Diesen Freitag hatte ich aber noch frei. Da am Sonntag die Hochzeit stattfinden sollte (und auch getan hat) bin ich mit Tina verschiedene Maerkte abgelaufen um ein passendes Kleid zu finden. Ich hatte die Auswahl zwischen quietschigen, glitzernden Barbiekleidern (darauf fahren die Kambodschaner richtig ab!) oder die Touri-Nummer. Viel Leinen und trostlose Farblandschaft. Nach geschaetzden 9 ½ Stunden fiel die Wahl auf eine gruene, blumige, akzeptable Alternative. Haette nicht gedacht, dass ich in dieser Zeit derartige Kleidungsprobleme habe!!
von Valie
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Montag, 7. april 2008

Meine erste Woche in Siem Reap war wahnsinnig erlebnisreich. Angefangen am ersten Tag mit dem Schulfest, die ersten Tage im Kinderdorf (Children Development Village), der Pilgerzug durch Siem Reap, Abschiedsfest von der Voluntaerin Andrea und einfach Kambodscha!
Bis jetzt habe ich jede Minaute genossen und bin sehr gluecklich, dass ich hierher gekommen bin. Dank Tina und Andrea, faellt das Eingewoehnen leicht. 

Vom Schulfest habe ich ja schon via Email berichtet, hier gibts ein paar Bilder. Ebenso von den zwei Wochen Thailand mit Eva, Paul und Franz.

Am Dienstag hat uns die kambodschanische Voluntaerin Voleak von LHA (Life and Hope Association) auf einen buddhistischen Pilgerzug durch Siem Reap eingeladen. Das dortige Kloster Wat Dam Nak hat einen neuen Tempel bekommen und das wurde gebuehrend gefeiert. Mit vielen Blumen, Raeucherstaebchen und drei heiligen Elefanten. Da sich nur wenige Touris unter die Menschen getraut haben, waren wir einige der wenigen Westler. Man hat generell das Gefuehl willkommen zu sein.


von Valie
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