Montag, 12. mai 2008

Nur noch weniger als eine Woche. Bin sehr zwiegespalten…  

 

Bis jetzt ist mir noch keine Laus ins Gesicht gesprungen, leider aber auch noch kein brauner Reis. Grund dafuer ist, neben dem aesthetischen Zweifeln von LHA, der steigende Reispreis (brauner Reis ist noch teurer als der weisse).  Aber wir bleiben dran (bzw. Tina, sie bleibt noch bis Ende August).

 

Die letzten zwei Wochen haben wir viel Englisch unterrichtet , vormittags die Kleinen, nachmittags die Grossen.

Am Anfang dachte ich noch ich muesste mich - als angehende Lehrerin - auch gruendlich auf meine Stunde vorbereiten, was Tina nur muede belaechelte… Wie auch sie erfahren hat, gilt: Einfach loslegen!

Problem dabei ist, dass die meisten bis jetzt nicht wirklich verstanden haben wie Englisch eigentlich funktioniert. Grund dafuer ist wohl, dass die Khmers sture Auswendiglerner sind. Da kommt es dann zum Beispiel vor, dass der Lehrer (ich J) fragt, was Fenster auf Englisch heisst. Ein schlauer Kopf anwortet ’window’ und  schreibt dann stolz  ‘water’  an die Tafel... Da reicht mein paedagogisches Knowhow wohl doch nicht aus oder schlicht und einfach mein Khmer. Deshalb sind Tina und ich auf der Suche nach einem kambodschanischen Englischlehrer, der nicht ausschliesslich auswendig lernen laesst...

 

Letzten Dienstag waren wir mit 14 Kindern im Angkor Children Hospital in Siem Reap. Die meisten hatten nichts ernstes, dem Grossteil wurde ein Zahn gezogen. Die waren echt tapfer!!

Zumindest die Kinder haben in Kambodscha die Moeglichkeit nach westlichen Standarts kostenlos versorgt zu werden . Moeglich gemacht hat das der schweizer Arzt Dr. Beat Richner. Mittlereile hat er drei Krankenhauser gegruendet (das vierte wird gerade gebaut). Sowohl der Bau der Krankenhaeuser, wie auch der gesamte Betrieb (Gehaelter, Medikamente,...) werden zu 95% durch private Spenden finanziert (die anderen 5% traegt die Schweiz)!

95% der Bevoelkerung koennen sich keinen Arztbesuch leisten. Obwohl seit Anfang der Neunziger zahlreiche Hilforganisationen versuchen diese Problematik in den Griff zu bekommen, hat sich nichts geaendert. Das liegt vor allem an der Korruption die auch vor Praxen und Krankenhausern keinen Halt macht. Die Aerzte bekommen ein zu geringes Gehalt, um davon Leben zu koennen. Bis zu 80% der gespendeten Medikamente landen somit auf dem Schwarzmarkt, Spritzen werden mehrmals verwendet (auch ein Grund fuer die hohe Aidsrate), dabei wird oft nur Wasser gepritzt, der Patient muss erst Geld auf den Tisch legen bevor er behandelt und und und...  

Beatocello (Kuenstlername von Dr. Richner) gibt jeden Samstag in Siem Reap ein kostenloses Cellokonzet, auf dem er auch ausfuerlich ueber die Problematik der Politik von Hilforganisationen wie WHO oder Unicef informiert. In seinen Krankenhaeusern, bekommen die Aerzte ein fuer Kambodscha uberdurchschnittliches Gehalt und jedes Kind unter 16 wird kostenlos versorgt. Es funktioniert!

Das Angkor Children Hospital gehoert nicht zu der Kantha Bopha Foundation, bietet aber ebenfalls kostenlose medizienische Versorgung.

 

Das Beste kommt zum Schluss. Zumindest was die Sehenswuerdigkeiten angeht hat Siem Reap eher wenig zu bieten. Bis auf... natuerlich... Angkor und seine Tempel... Tina und ich hatten ja schon die Moeglichkeit durch die taegliche Fahrt durch den Angkor-Park uns allmaehlich an das Weltkulturerbe heranzutasten.

Dieses Wochenende war es dann soweit, wobei es erst so aussah, als dass es die Angkor-Goetter es nicht so nett mit uns meinen. Zum einen hatten wir um fuenf Uhr morgens nicht den versprochenen Zugang zum Kuehlschrank, wo unser morgendliches Picknick lagerte (der Schluessel zur Kueche war nicht auffindbar), mit knurrenden Magen musste ich dann alleine den  Sonnenaufgang ueber Ankgor Wat bewundern, da Tina ihre Eintrittskarte liegengelassen hatte und wieder zurueck musste (was wiederum den Vorteil hatte, dass wir doch noch picknicken konnten). Zum anderen wollte beim 2. Tempel (Bayon) unerwartet mein Fotoakku nicht mehr, Tinas dann beim 5. ...

Die Mittagspause wurde dann zum Aufladen genutzt, danach gings weiter zum Ta Prohm (ab sofort mein Lieblingstempel – bin da wohl aber nicht allein...), dann weiter zum 21km entfernten Banteay Srei (Die Zitadelle der Frauen).  Ein Sonnenuntergang auf dem Pre Rup wurde uns leider vergoennt.  Dafuer hatten wir ja am Vortag einen Schoenen auf dem Phnom Bakheng mit Massenpublikum...

Alles im allen kann man wohl von goettlicher Fuegung sprechen. Angkor hat sich von seiner schoensten Seite gezeigt und auch uns Jungspunde in den Bann gezogen.

 

Am Mittwoch  ist mein letzter Tag im CDV. Donnerstag gehts dann wieder nach Bangkok, am Samstag dann zurueck nach good old Germany. Klammer gerade an jeder Minute die mir noch bleibt, aber natuerlich macht sich auch allmaehlich Vorfreude in meinem Bauchi breit!

von Valie
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